Lipoprotein(a)

Was ist Lp(a)?

Lipoprotein(a) [Lp(a)] ist ein zirkulierendes Lipidpartikel, das aus einem LDL-Partikel besteht, der kovalent an einen Apolipoprotein(a)-[Apo(a)]-Anhänger gebunden ist. Der Apo(a)-Anhänger besteht aus Proteinen, die Kringles genannt werden. Der Kringle-IV-Typ 2 kann in der Länge variieren und ist ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die Größe des Lp(a)-Partikels. Die Größe des Lp(a)-Partikels ist umgekehrt proportional zur Plasmakonzentration von Lp(a), was bedeutet, dass Personen mit kleineren Lp(a)-Partikeln höhere Lp(a)-Plasmakonzentrationen haben und umgekehrt. Sowohl Beobachtungs- als auch genetische Studien haben gezeigt, dass Lp(a) ein unabhängiger Risikofaktor für Atherosklerose und Aortenklappenstenose ist. Das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird pathophysiologisch sowohl durch den Cholesteringehalt von Lp(a) – da Lp(a) im Wesentlichen ein LDL-Partikel ist – als auch durch die an den Apo(a)-Anhänger gebundenen oxidierten Phospholipide bestimmt, die eine Aktivierung von Immunzellen in der Gefäßwand verursachen.

In der Allgemeinbevölkerung sind die Lp(a)-Konzentrationen rechtsschief, d. h. ein kleiner Teil der Menschen hat extrem hohe Lp(a)-Werte. Es besteht ein kontinuierlicher Zusammenhang zwischen dem Lp(a)-Spiegel und dem Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen; je höher der Lp(a)-Spiegel, desto höher das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen. Etwa 20 % der Allgemeinbevölkerung weisen erhöhte Lp(a)-Werte auf, definiert als >105 nmol/l (50 mg/dl), was für diese Menschen mit einem etwa 1,5-fach erhöhten Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen verbunden ist. Etwa 1 % der Bevölkerung hat extrem hohe Lp(a)-Werte (>380 nmol/l oder 180 mg/dl) und ein 3-fach erhöhtes Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen.

Der Lp(a)-Spiegel hängt von der ethnischen Zugehörigkeit ab. Im Vergleich zu weißen Europäern und Amerikanern haben Menschen afrikanischer Abstammung höhere Lp(a)-Werte, und asiatische Bevölkerungsgruppen haben im Allgemeinen niedrigere Lp(a)-Werte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lp(a) ist ein Lipidpartikel, das aus einem LDL-Partikel mit einem daran haftenden Apo(a)-Schwanz besteht.
  • Die Lp(a)-Plasmakonzentration eines Menschen ist weitgehend genetisch bedingt und bleibt daher im Laufe seines Lebens relativ konstant.
  • Etwa 20 % aller Menschen haben einen erhöhten Lp(a)-Wert, der als Lp(a) >105 nmol/l (50 mg/dl) definiert ist.
  • Lp(a) steht in linearem Zusammenhang mit kardiovaskulären Erkrankungen und kann zu einer Verdreifachung des Risikos kardiovaskulärer Erkrankungen führen.
  • Lp(a)-senkende Präparate, die derzeit in Phase-III-Studien untersucht werden, können eine bis zu 90%ige Senkung des Lp(a)-Werts bewirken.
LDL particle vs. Lp(a) particle
Lp(a) distribution and cardiovascular risk

Wodurch wird der Lp(a)-Wert beeinflusst?

Der Lp(a)-Spiegel ist zu mehr als 90 % genetisch bedingt und bleibt im Laufe des Lebens relativ konstant. Das Alter, das Geschlecht und der Lebensstil haben wenig bis keinen Einfluss auf den Lp(a)-Wert. Menschen afrikanischer Abstammung haben im Durchschnitt einen viermal höheren Lp(a)-Wert als Menschen westeuropäischer Herkunft, wobei der Lp(a)-Wert im Median bei 75 nmol/l liegt. Das Vererbungsmuster von Lp(a) ist komplex und noch nicht vollständig geklärt. Einige Familien weisen jedoch ein eindeutiges Muster von erhöhten Lp(a)-Werten und kardiovaskulären Erkrankungen auf.

Wann sollte der Lp(a)-Wert gemessen werden?

In den meisten Krankenhäusern und anderen Versorgungseinrichtungen ist der Lp(a) nicht im Standardtest zur Messung des Lipidprofils enthalten und muss vom Arzt ausdrücklich angefordert werden. In europäischen und kanadischen Leitlinien wird empfohlen, den Lp(a)-Wert mindestens einmal im Erwachsenenalter zu messen, denn nur damit kann das individuelle kardiovaskuläre Risiko genau beurteilt werden. Bei Patient(inn)en mit erhöhten Lp(a)-Werten kann die Behandlung im Hinblick auf andere kardiovaskuläre Risikofaktoren intensiviert werden. Ratschläge zur Änderung des Lebensstils und eine entsprechende Behandlung bei erhöhten LDL-Cholesterinwerten, Bluthochdrucks und Thromboserisiko sind bei diesen Patient(inn)en noch wichtiger.

Behandlung bei erhöhtem Lp(a)-Wert

Derzeit gibt es keine spezifischen Lp(a)-senkenden Behandlungsoptionen. Eine Änderung des Lebensstils, wie z. B. sich gesund zu ernähren und mit dem Rauchen aufzuhören, sind zwar generell sinnvoll, haben aber wenig bis keine Auswirkungen auf den Lp(a)-Wert. LDL-Cholesterin-senkende Arzneimittel haben auch kaum einen Einfluss auf den Lp(a)-Wert. Nur PCSK9-Hemmer können den Lp(a)-Wert um bis zu 25 % senken. Für die meisten Patient(inn)en mit extrem hohen Lp(a)-Werten ist diese Senkung jedoch unzureichend. Derzeit werden Lp(a)-senkende Präparate in Phase-III-Studien untersucht, die vielversprechende Ergebnisse mit einer bis zu 90%igen Senkung des Lp(a)-Werts zeigen.

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