Familiäre Hypercholesterinämie
Was ist die familiäre Hypercholesterinämie (FH)?
FH ist eine autosomal-kodominante Störung des Lipidstoffwechsels, die durch erhöhte Werte von Low-Density-Lipoprotein-(LDL)-Cholesterin gekennzeichnet ist. Aufgrund der lebenslangen Exposition kann sich LDL-Cholesterin in den Blutgefäßen ansammeln, wo es bei diesen Patienten zu Atherosklerose und frühzeitig auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. FH wird durch pathogene Varianten in Genen verursacht, die an der Aufnahme von LDL-Cholesterin aus dem Blutkreislauf durch die Leber beteiligt sind. Diese Gene sind das LDL-Rezeptor-Gen (LDLR), das Apolipoprotein-B-Gen (APOB) und das Gen der Proprotein-Convertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9). Die Prävalenz der heterozygoten FH wird auf 1:300 geschätzt, was sie zur häufigsten genetischen Stoffwechselstörung macht. Patienten mit FH haben ein 3- bis 4-fach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu nicht betroffenen Personen.
Diagnose der FH
Die klinische Diagnose einer FH kann anhand von Diagnosekriterien erfolgen. In den Niederlanden werden häufig die Kriterien des Dutch Lipid Clinic Network (DLCN) herangezogen (DLCN Calculator). Die DLCN-Kriterien umfassen Parameter wie den LDL-Wert und die Familienanamnese des bzw. der Betroffenen, sowie das Vorliegen körperlicher Merkmale der FH. Die aktuellen internationalen Leitlinien empfehlen Gentests bei allen Personen, bei denen ein Verdacht auf FH besteht (DLCN-Score >5).
Gentests zur FH-Diagnostik können von jedem Arzt in den Niederlanden beantragt werden. Allgemeinmediziner können Patient(inn)en mit Verdacht auf FH wahlweise auch an einen Facharzt für innere Medizin überweisen. Da FH autosomal-dominant vererbt wird, ist es wichtig, dass Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister und Kinder) ebenfalls auf FH getestet werden, da bei ihnen eine 50%ige Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie ebenfalls eine die FH verursachende Variante in sich tragen. Die LEEFH Foundation koordiniert das Screening von Familien mit FH und kann daher Ärzte in dieser Hinsicht unterstützen.
Das Wichtigste in Kürze
- FH ist eine autosomal-kodominant vererbte Störung, die durch lebenslang erhöhte LDL-Cholesterin-Werte gekennzeichnet ist. Ohne entsprechende Behandlung besteht für die Betroffenen ein erhöhtes Risiko frühmanifester kardiovaskulärer Erkrankungen.
- FH ist mit einer Prävalenz von etwa 1:300 die häufigste genetisch bedingte Lipidstoffwechselstörung.
- FH lässt sich anhand der DLCN-Kriterien phänotypisch diagnostizieren. Ein Gentest wird dann empfohlen, wenn der DLCN-Score über 5 liegt.
- Die Behandlung der FH wird mit der Verordnung eines Statins eingeleitet, entweder allein oder in Kombination mit Ezetimib. Wenn mit dieser Kombinationstherapie keine die ausreichende LDL-Cholesterinsenkung erreicht wird, können andere lipidsenkende Therapien hinzugefügt werden.
Woran erkennt man FH-Patient(inn)en?
Die FH kann sich unterschiedlich manifestieren. Im Allgemeinen ist diese Erkrankung durch hohe LDL-Cholesterinwerte, kardiovaskuläre Erkrankungen in jungen Jahren (Frauen <60 Jahre, Männer <55 Jahre) und eine Familiengeschichte mit Hypercholesterinämie und kardiovaskulären Erkrankungen gekennzeichnet. In einigen Fällen kann ein Xanthoma tendinosum, ein Arcus lipoides corneae und/oder ein Xanthelasma vorliegen. Häufig fehlen diese körperlichen Merkmale jedoch, insbesondere bei Kindern.
Behandlung
Eine frühzeitige Behandlung von FH-Patient(inn)en ist unerlässlich, um das erhöhte Risiko der Betroffenen für kardiovaskuläre Erkrankungen zu verringern oder sogar zu eliminieren. In den aktuellen Leitlinien wird empfohlen, bei von FH betroffenen Kindern ab dem Alter von 8–10 Jahren mit einer medikamentösen Therapie zu beginnen, wenn sie auf eine Veränderung des Lebensstils nicht ansprechen. Der erste Behandlungsschritt ist die Verordnung eines Statins, entweder allein oder in Kombination mit Ezetimib. In einigen Fällen reicht die Kombinationstherapie mit einem Statin plus Ezetimib nicht aus, um die LDL-Cholesterin-Zielwerte zu erreichen, und es müssen zusätzlich weitere LDL-C-senkende Medikamente verordnet werden. Die aktuellen Leitlinien empfehlen für FH-Patient(inn)en zur Primärprävention einen LDL-Cholesterinwert von <2,6 mmol/l und zur Sekundärprävention einen Wert von <1,8 mmol/l.