Atherosklerose und kardiovaskuläres Risiko
Pathophysiologie der Atherosklerose
Die Atherosklerose ist eine chronische Entzündung der Gefäßwände, die zu Plaquebildung in den Gefäßwänden und schließlich zu einer Arterienstenose führen kann. Dieser pathophysiologische Prozess führt zu kardiovaskulären Erkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und der zerebrovaskulären Krankheit. Weltweit sind kardiovaskuläre Erkrankungen die häufigste Todesursache. In den Niederlanden ist sie die zweithäufigste Todesursache.
Atherosklerose beginnt mit der Ablagerung von LDL-Cholesterin in der subendothelialen Schicht der Gefäßwand. In diesem subendothelialen Raum wird LDL oxidiert, woraufhin Monozyten in die Gefäßwand einwandern und sich zu Makrophagen differenzieren. Diese Makrophagen nehmen das oxidierte LDL auf und wandeln sich in Schaumzellen um, die Entzündungskaskaden auslösen und schließlich zur Entstehung atherosklerotischer Plaques führen. Durch den Abbau der lipidbeladenen Schaumzellen entsteht ein nekrotischer Kern in der Intima-Schicht der Gefäßwand. Eine vulnerable Plaque mit hohem Rupturrisiko ist durch einen großen nekrotischen Kern gekennzeichnet, der von einer dünnen, fibrösen, makrophagenreichen Kapsel umgeben ist. Bei der Ruptur einer solchen vulnerablen Plaque kommt der thrombogene Plaque-Kern mit dem Blutstrom in Kontakt, woraus rasch ein Thrombus entsteht. Ein Thrombus kann einen akuten Verschluss einer Arterie verursachen, was beispielsweise zu einem akuten Koronarsyndrom oder einem akuten zerebrovaskulären Ereignis führen kann.
Die Atherosklerose nimmt einen langsamen Verlauf, der oft schon in jungen Jahren beginnt und sich erst später im Leben bemerkbar macht. Bestimmte Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Atherosklerose und erhöhen das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen. Einer der Eckpfeiler bei der Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen ist daher die Prävention durch Behandlung der Risikofaktoren.
Das Wichtigste in Kürze
- Atherosklerose ist eine chronische Erkrankung, die durch eine Ablagerung von LDL-Cholesterin und Entzündungen in der Gefäßwand gekennzeichnet ist.
- Auf der Grundlage des berechneten kardiovaskulären Risikos einer Patientin oder eines Patienten kann ein individueller Behandlungsplan erstellt werden.
Risikofaktoren
Die wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren der Atherosklerose sind:
- Hypertonie
- Rauchen
- Dyslipidämie (insbesondere erhöhte Werte von LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a))
- Adipositas
- Geringe oder keine körperliche Aktivität
- Diabetes mellitus
- Andere chronische (entzündliche) Erkrankungen (z. B. rheumatische Erkrankungen, chronische Nierenerkrankung und steatotische Lebererkrankung)
Prävention
Die Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen beginnt mit der Berechnung des kardiovaskulären Risikoprofils. Dieses wird häufig als 10-Jahres-Risiko oder Lebenszeitrisiko ausgedrückt. Zu den Präventivmaßnahmen gehören Ratschläge zur Lebensführung, wie etwa körperliche Betätigung (30 Minuten pro Tag), gesunde Ernährung, Nichtrauchen und sehr geringer Alkoholkonsum.
Häufig ist jedoch eine medikamentöse Behandlung erforderlich, um das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen zu verringern. Neben der Behandlung spezifischer Risikofaktoren wie Hypertonie und Diabetes können je nach Höhe des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen unterschiedliche LDL-Cholesterinwerte angestrebt werden. Das LDL-Cholesterin-Tool von Lipid Tools kann dabei unterstützen, einzuschätzen, welche Medikamente in welcher Dosierung benötigt werden, um den spezifischen Zielwert zu erreichen.